Zu spät? Zu alt? Zu leise? Zu irgendwas?

Ein Portrait über Mut, zweite Chancen und eine Frau, die zeigt: Es ist nie zu spät, aber manchmal dringend an der Zeit. Mit Christa Schliederer

Es war ein leiser Moment, in dem ich mich gefragt habe: „Geht das überhaupt noch? HofWerk gründen? Mit 47?“ Ich habe schon viel gemacht, ausprobiert und doch fehlte noch etwas. Nicht einfach ein neuer Job. Etwas das Mut verlangt und ich noch nie gemacht habe. Andere Gedanken, andere Handlungen und endlich Ideen umsetzen, ohne sie vorher in 8 Meetings zerreden zu müssen. Ja mein Zweifel war groß und ist er manchmal immer noch.

Dann kam Christa. 

Und sie hat dazu beigetragen nicht nur zu zweifeln sondern einfach mal machen. Christa ist heute 78 Jahre und hat eine Energie, die mich von Herzen beeindruckt. Wer sie heute sieht, sieht eine Frau mit Haltung. Eine, die Modeljobs annimmt, Theater spielt, in politischen Gremien mitmischt und ihre Meinung nicht versteckt.
 

Aber das war nicht immer so. 

Christa begann zu arbeiten, zog ihre Kinder groß, engagierte sich in der Politik und das zu einer Zeit, in der Frauen dort kaum gesehen wurden. „Vor 50 Jahren musste man als Frau Mut haben, nur hat das keiner verstanden.

Mit 60 hat sie Harfe spielen gelernt einfach so, für den Hausgebrauch. Mit 78 einen Computerkurs. Nicht, weil es leicht war. Sondern weil es nötig war. „Immer geschoben, aber irgendwann geht’s nicht mehr ohne. Bewerbungen, Fotos hochladen das war der Auslöser.


 

Dann, 2011, der Treppen-Sturz.

Doppelter Schädelbruch. 13 Wochen Klinik. Zwei Jahre Reha. Laufen, sprechen, alles neu lernen. Ihr Wendepunkt.
Ich lebe. Older but Golder“ Das war ihr Satz. Kein großes Manifest. Einfach echt. Nicht alles war wie vorher, aber genug, um neu zu beginnen.

 

Theater. Modelagentur. Erster Auftrag. 

Ihre Regisseurin Tatjana Pokorny fragte nicht nur einmal: "Hast du dich schon als Best Ager Model beworben?" Spoiler: Sie hat sich getraut. Die erste Agentur hat sie direkt gebucht. Heute ist Christa bei 12 Agenturen gelistet. Spielt Theater, im Dezember 2024 sogar in einer Doppelrolle. Eine kleine Rolle bei RTL war auch dabei. Und sie sagt:

Mit Humor geht nicht alles, aber vieles besser.

Kein Wunder. Sie schreibt mit Hingabe bayerische Verse. Hier ein kleiner Einblick in ihre Handschrift, zwischen Augenzwinkern und Alltagsphilosophie:

De Stundenuhr
Bei uns hör i de Kirchturmuhr schlogn,
jede Viertelstund duad sie mir sogn
wos g'schlogn hat, welche Stund'
daß i mei Zeit danoch richtn kunnt.

Wenn's oamoi schlogt is viertel noch,
des  zwoamoi schlogn kimmt dann danoch
wenn's hoibe is von dera Stund,
bei dreimal schlogn duads Uhrwerk kund,
daß grod 15 Minut'n no san -
viermal schlogt's dann die volle Stunde an.

Guad 600 Jahr ist der Kirchturm alt
und des schlogn der Uhr gibt mir an Halt -
und des Lebn wia die Uhr sich weiter bewegt
und die Welt sich wia da Zeiger dreht.

De Uhr schlogt am Tag und bei da Nacht,
weil Zeit und s'Lebn koa Pause macht.

Doch soiba könnt ma innehalten 
und unser Lebenszeit mit Sinn verwalten.

Christa Schliederer 
3. Juni 2025

Bild 2
Christa mit Ihrer Regisseurin Tatjana Pokorny Kleines Theater Garmisch-Partenkirchen

Bild 4
Christa: Das Fließen des Wassers, immerwährend in den Brunnen , ist wie der Lebensfluß, es ist das Auf und Ab wie im Leben, mal erfrischend, mal kalt, manchmal auch abweisend, oder es fließt eine Weile gar nicht, bis es wieder tropft und den Brunnen füllt.

Was mich an Christa bewegt, ist nicht der Lebenslauf. Es ist ihre Haltung.

Sie sagt: „Ein bisserl was geht immer.
Manchmal braucht es einfach Geduld.
Und wichtig: Hör auf deine innere Stimme. Der Kopf liegt öfter daneben.

Christa erinnert mich daran, dass Mut nicht laut sein muss. Dass nicht jede Entscheidung sofort von außen sichtbar ist. Aber spürbar.

Und wenn du jetzt noch denkst…
… du bist zu alt
… zu spät
… zu leise
...  zu laut
… zu kaputt
… oder einfach zu müde für nochmal neu, dann denk bitte an Christa.

An ihren ersten Computerkurs mit 78. An ihre Reha, Neustart als Model mit 78! Und an diesen einen Satz, den ihr Vater ihr mitgegeben hat: „Nicht auslassen und nicht daneben dappen.“ Er war Bergsteiger und Naturfreund.

Christa ist heute eine, die andere ermutigt, ihren eigenen Weg zu gehen, auch wenn der steil ist.

Mut zur Entscheidung. Ihre Geschichte zeigt: Es ist nie zu spät, aber es ist verdammt nochmal deine Wahl. Und vielleicht ist heute genau der Tag, an dem du anfängst, an dich zu glauben.

Ich erzähle ihre Geschichte nicht nur, weil sie mich bewegt hat, sondern weil sie mich erinnert: Hinter jeder Marke, jedem Unternehmen, jedem Logo steckt ein Mensch. Mit Zweifeln, mit Sehnsucht, mit Mut.

Und genau da fängt für mich Marketing an. Nicht mit „Mehr Sichtbarkeit“. Sondern mit der Frage: Wer bist du und wofür stehst du wirklich?

Christa findest du auf Instagram unter @christaschliederer
Sie ist übrigens auch dort alles andere als leise.

Danke Christa für unsere Begegnung Zwischen den Zeilen, für mich bist du ein echtes HofHerz.

06.06.2025 Katrin Warlich

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